Bauberichte
Nautilus
Als ich mir den Bausatz bestellt habe, ahnte ich noch nicht, was da auf mich zukommen würde. Also nahm ich voll freudiger Erwartung auch die beiden Pakete meiner Engel Nautilus entgegen und war danach kaum zu halten. Die erste Euphorie ist allerdings schnell verflogen, nachdem ich die meisten Teile von ihrer Verpackung befreit hatte, um mal eine kleine Bestandsaufnahme zu machen.
Nachdem der erste Schock über das Ausmaß des Bausatzes überwunden war, ging ich ans Werk die Pläne und die Anleitung gründlich zu studieren. Kurz darauf machte ich mich ans Werk, schon mal das hintere Schott zurecht zu schneiden.
Kaum fertig, merkte ich, dass es nicht passte. Ich überprüfte mein Werk noch mal mit dem Plan, nur um festzustellen, dass ich alles richtig gemacht hatte, aber das Schott wollte sich weder durch diese Tatsache, noch durch gutes Zureden dazu überreden lassen, in den verdammten Rumpf zu passen. Also wurden kurzerhand alle Ecken und Kanten, die nicht passten abgeschliffen. Eine Aktion, die den Unmut meiner besseren Hälfte auf mich zog, da ich ja nur "kurz" was zurechtschneiden wollte und hinterher hatte ich die halbe Wohnung mit GFK-Staub eingenebelt.
Aber das verdammte Schott hat gepasst.
Nur noch eben die Löcher für die Ruderanlenkung und die Welle gebohrt und fertig war es. Nun konnte ich den Motor am Schott befestigen, die Welle anbringen und die Schraube (4 Blatt 80mm Durchmesser) aufschrauben, was sich als mittelschwerer Gewaltakt herausstellte, nur um beim ersten Testlauf herauszufinden, dass die Schraube eine Unwucht hat. Nee, nee Herr Engel, das war wohl nichts.
Aber es sollte noch besser kommen.
Ich ließ die Schraube erst mal dran und widmete mich dem Ruder, welches mal eben aus Messingblech ausgeschnitten und zurechtgefeilt werden musste. Kaum war diese Tat vollbracht, ich hatte gerade das Gestänge fürs Ruder nach Plan zurechtgebogen, merkte ich, dass man das Gestänge in dieser Form zwar durch die Heckflosse komprimiert bekommt, es sich dann aber nicht mehr bewegen lässt. So langsam am Rande eines Nervenzusammenbruchs, schmiss ich also den Plan weg und bog mir das Gestänge selber. Und, oh Wunder, es passte und ich konnte sogar das Ruder bewegen.
So motiviert mussten dann die Deckplatten fürs Zwischendeck zurechtgeschnitten und eingepasst werden und eine Zeit lang sah es sogar so aus, als hätte ich nun die Probleme hinter mir gelassen. Die Tauchtanks passten perfekt hinein, und ließen sich auch recht einfach verdrahten. Kurz angeschlossen und getestet, fluten, lenzen und dicht war die ganze Sache auch. Den Motor angeschlossen, das Ruder angelenkt, geht zwar etwas schwergängig, aber das ist bei fast 70cm Gestänge auch kein Wunder. Sogar der Deckel war schnell gebaut und mittels der Dichtschnur abgedichtet. Zusätzlich kam noch etwas Silikon zum Einsatz, da mir die Erzählung eines Kollegen in den Sinn kam, bei ihm war die Dichtschnur undicht und sein U-Boot entschloss sich kurzerhand zum Permanent-Taucher zu werden.
Die Tiefenruder wollte ich vor dem Verkleben des Zwischendecks einsetzen, zwecks besserem Bearbeiten, als ich merkte, das Unterschiff ist zu breit. An beiden Seiten 5mm zu breit. Beim Überwasserschiff das Gleiche. Also langsam reicht's aber. Aber ich reg mich nicht auf. NEIN ICH NICHT !!!
Dann doch lieber erst den Turm bearbeitet. Dieser musste ohnehin für die Beleuchtung vorbereitet werden. Die Bullaugen waren schell eingepasst, vorher noch etwas Farbe an die Stelle, da es sich als schwierig herausstellte, erst die Augen einzukleben und später den Turm zu lackieren. An den Seitenfenstern das Gleiche.
Die Scheinwerfereinsätze am Turm waren dagegen wieder was Anderes. Da man, um die verdammten Dinger anzubringen, den halben Turm aufsägen musste, dachte ich eigentlich, dass irgendwo im Plan etwas darüber stehen würde. Aber weit gefehlt. Also habe ich die ganze Sache nach Augenmaß ausgeschnitten, nur um später Kiloweise Harz und Spachtel in die Löcher zu stopfen. Aber der Turm ist nun soweit fertig.
Das war nun der Zeitpunkt, wo ich mir um die Beleuchtung Gedanken gemacht habe. Klar hätte ich einfach den Beleuchtungssatz von Engel bestellen können, aber irgendwie gefiel er mir mal so überhaupt nicht. Was nur eine Möglichkeit zuließ: Ich bau mir eben selber einen. Schon daran gewöhnt, an dem Boot alles selber zu machen ging ich ans Werk. Zuerst einmal wurden Unmengen von LEDs in Weiß und Rot bestellt.
Bis sie eintrafen hatte ich noch ein wenig Zeit um mich schon mal um die Ansteuerung der Tiefenruder zu kümmern. Eben die Gestänge gesägt, in die Ruder eingesetzt, passt nicht, Gestänge zu kurz, Plan endgültig in die Ecke gefeuert, neue Gestänge gesägt, alte herausgeholt, neue eingesetzt. Klingt ja ganz einfach, war es aber nicht. Denn eines der sch....önen Tiefenruder ist bei der Aktion auseinander gebrochen. Toll, ganz toll. Also eben das Tiefenruder wieder geklebt neues Gestänge eingesetzt und ganz schnell alles angesteuert bevor noch weitere Katastrophen auftreten.
Eben die Ruder getestet, geht nicht, Ruder hängen am Rumpf fest. Na super, die Ruder wieder ausgebaut Unterlegscheiben aufgesetzt um mehr Abstand zum Rumpf zu bekommen und die Ruder wieder eingebaut. Jetzt passt es endlich.
Da sich die LEDs ein wenig Zeit gelassen haben hatte ich nun noch die Gelegenheit schon mal die Einstiegsluken zusammen zu bauen und diese zusammen mit den Beschlagteilen anzukleben.
Als die LEDs dann endlich kamen, mussten nur noch passende Widerstände gekauft werden und dann ging es auch schon daran sie ins Boot einzubauen. Die Nautilus wird zwei Stromkreise für die LEDs bekommen. Einen um die Weißen zu schalten, und einen um die Roten zu schalten. Zu diesem Zweck musste ich einen Servo mit zwei Tastern versehen, was eine sehr zuverlässige und vor allem billige Lösung für das Ein- bzw. Ausschalten der Lichter ist.
Kaum war das erledigt kam auch schon meine bessere Hälfte wild mit einem Pinsel und der Farbe gestikulierend auf mich zu und meinte, der Deckel sei jetzt ja schon fertig und man könne ihn deshalb auch schon lackieren. Dieses kaum ausgesprochen hatte sie mir auch schon den Deckel entwendet, um sich wie eine Besessene daran zu machen die Farbe darauf zu bekommen.
Nachdem sie mich wieder in die Nähe des Deckels gelassen hatte war ich vom Ergebnis wirklich beeindruckt.
Das Überwasserschiff war kaum fertig, da machten wir uns schon daran, die Seitenfenster mit den LEDs zu versehen. Als das fertig war wurde mir klar, dass ich bei der Beleuchtung das Schiff niemals aus den Augen verlieren werde, selbst im getauchten Zustand.
Von der Arbeitswut gepackt wurden dann noch schnell die Seitenflossen so bearbeitet, dass sich die Fenster, ohne eine einen halben Kilometer abstand zum Boot zu haben, aufschieben lassen. Danach noch schnell den hinteren Ring verklebt und die Abweiser festgelötet, und schon waren wir ein gutes Stück weiter.
Jetzt mussten eigentlich nur noch die Seitenfenster festgeklebt und die Beleuchtung über den Servo angeschlossen werden, was auch hervorragend geklappt hat, was mich ja eigentlich schon hätte misstrauisch machen müssen. Aber ich war noch frohen Mutes.
Als dann alles angeschlossen und abgedichtet war, war der Moment der Wahrheit gekommen. Es sollte sich zeigen, ob die monatelange Plackerei sich gelohnt hat, oder ob ich bald ein nautilusförmiges Stück GFK auf dem Poolboden habe. Also das Boot ins Wassergesetzt und voller Freude habe ich registriert, dass das Boot scheinbar dicht ist. Dann kann man ja auch mal einen Schritt weiter gehen und die Tauchtanks fluten. Die anschließende Sprudelorgie kann ich der Firma Engel leider nicht vorwerfen, da sich beim verkleben des Bootes zwei kleine Undichtigkeiten eingestellt hatten. Zum Glück haben die Sicherheitseinrichtungen der Tauchelektronik funktioniert, und was mir noch viel lieber war, traten die lecken Stellen nur bei Überdruck im Rumpf auf.
Das Desaster, was ich nach dem Abdichten der lecken Stellen erblickte, kann ich aber sehr wohl die hochgeschätzten Firma Engel anlasten. Nun war der komplette Rumpf dicht. Bis auf eine kleine Stelle, besser als Wellendurchführung bekannt. Dort sprudelte es nämlich fleißig weiter. Tja da war die doch so tausendfach bewerte Abdichttechnik wohl doch was für den Ar... Jedenfalls weiß ich jetzt warum der Krampf tausendfach bewert ist. Wenn ein Boot wegen dem Mist absäuft, kann Engel wieder ein neues verkaufen. War dann bestimmt ein Baufehler. Ne is klar.